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Hilfe bei Unruhe und AD(H)S

AD(H)S hat viele Gesichter

Seit Jahren ist das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom – kurz AD(H)S – in aller Munde. Immer mehr Kinder zeigen in der Schule Konzentrationsprobleme, die sich natürlich negativ auf die Leistungen auswirken. Aber auch Anpassungsschwierigkeiten, fehlende Selbstorganisation und oppositionelles, teilweise sogar aggressives Verhalten machen Eltern und Lehrern vermehrt zu schaffen. ADS-Kinder sind eher unauffällig, verträumt und schalten im Unterricht einfach ab, während bei den hyperaktiven Kindern mit ADHS noch ein schier unkontrollierbarer Bewegungsdrang und ein oppositionelles Verhalten hinzu kommt, durch die sie negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Was ist AD(H)S?

Laut Wissenschaft handelt es sich bei dieser häufigsten Störung im Kinder- und Jugendalter (anerkannt nach der Klassifizierung der psychischen Störungen ICD-10) um ein Ungleichgewicht im Hirnstoffwechsel, nämlich eine verminderte Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin, der für das körpereigene Belohnungssystem zuständig ist. Nachweislich kommt das Syndrom in Familien gehäuft vor, was auf eine Erblichkeit schließen lässt. Allerdings ist nicht sicher, ob überhaupt, in welcher Form (mit oder ohne Hyperaktivität) und in welcher Ausprägung die Symptome auftreten. Dies ist offenbar verstärkt von psychosozialen, aber auch von körperlichen Faktoren abhängig.

Diagnose durch Beobachtungsbögen

Im Kleinkind- und Vorschulalter wird das Kind noch als „sehr ruhig“ oder „schwierig“ bezeichnet. In der Schule steigen die Anforderungen an das Sozialverhalten und die kognitiven Fähigkeiten. Wenn das Kind durch sein Verhalten eine Belastung für seine Umwelt wird und/oder die Schulleistungen nicht auf einen seinem Potenzial entsprechenden Schulabschluss hoffen lassen, wird es meist bei einem Kinderpsychologen oder in einem Sozialpädiatrischen Zentrum vorgestellt. Dort durchläuft es über einen längeren Zeitraum diverse Untersuchungen der körperlichen und kognitiven Bedingungen. In erster Linie stützt sich die Diagnose jedoch auf Beobachtungsbögen, die von den Eltern, Lehrern und anderen näheren Bezugspersonen ausgefüllt werden. Wenn andere medizinische Ursachen, z. B. Störungen des Hör- oder Sehvermögens oder der Hirnleistung, ausgeschlossen werden können und die typischen Symptome eindeutig erkennbar sind, erhält das Kind mit der Diagnose ADS bzw. ADHS.

Medikamente als schnelle Helfer

Meist wird der Weg einer sogenannten „multimodalen Therapie“ gewählt, d. h. mehrere auf das Kind speziell abgestimmte Therapieformen werden eingesetzt. Wenn die Eltern sich dafür entscheiden, erhält das Kind Medikamente, wie z. B. Methylphenidat, das als Psychostimulanz die Aufmerksamkeit für einen bestimmten Zeitraum „schärft“ und das Kind in die Lage versetzt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Reize zu filtern und so seine Aufmerksamkeit zu kanalisieren. Es gibt mittlerweile verschiedene Wirkstoffe, die auch als Präparate mit Langzeit-Wirkung verabreicht werden können. Nach Einsatz eines dieser Mittel stellen sich meist deutliche Verbesserungen im Verhalten der Kinder ein, so dass man meinen könnte, dies allein reiche schon aus, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Aufgrund der nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen, aber auch der immer noch nicht sicher erforschten Langzeitwirkungen, sollten die Medikamente jedoch möglichst nicht über einen zu langen Zeitraum gegeben werden. Allerdings werden die Kinder oft erst durch deren Wirkung für andere, nämlich psychotherapeutische Maßnahmen, psychomotorische Förderung oder Gruppenübungen geöffnet. Im besten Fall sollten die Mittel abgesetzt werden, sobald die Fördermaßnahmen greifen.

Kritiker meinen, dass heutzutage zu viele Kinder vorschnell und unnötig mit Medikamenten behandelt werden. Bis zu einem gewissen Grad würde jedes Kind von der Gabe einer Stimulanzie profitieren. Nicht umsonst wird der Wirkstoff z. B. bei Studenten als Leistungs- und Konzentrationsverstärker in Prüfungssituationen gehandelt. Oft werden die wahren Ursachen nicht erkannt und so können sanfte und wirksame Behandlungsmöglichkeiten gar nicht erst zum Einsatz kommen.

Jedes Kind ist anders

AD(H)S hat viele Gesichter: Jedes Kind hat unterschiedliche Symptome, die wiederum von den verschiedensten Ursachen hervorgerufen werden. Abgesehen von der bekannten Störung im Neurotransmitter-Haushalt gibt es noch diverse andere Stoffwechselstörungen, die gut mit Homöopathie oder Nahrungsmittelergänzungen mit bestimmten Vitaminen und Mineralien behandelt werden können. Manchmal hilft auch eine Nahrungsumstellung, wenn Kinder empfindlich oder sogar allergisch auf bestimmte Lebensmittel (Zucker, Milch oder Farb- und Konservierungsstoffe) reagieren. Auch andere körperliche Fehlfunktionen, wie unerkannte Darm- oder Schilddrüsenprobleme, oder Intoxikationen (z. B. mit Blei) können medikamentös oder mit natürlichen Mitteln behoben werden. Manchmal haben die Kinder eine leichte Entwicklungsverzögerung oder Defizite in der Wahrnehmung. Oft ist das Sprachverständnis nicht ausreichend entwickelt, so dass die beständige Unsicherheit zu auffälligem Verhalten oder Abschalten führt.

Mögliche psychosoziale Ursachen

Die vielzitierte allgemeine Reizüberflutung in der heutigen Zeit, der erhöhte Fernsehkonsum mit schnell wechselnden Bildern sowie der Mangel an Bewegung tragen ebenfalls zur motorischen Unruhe vieler Kinder bei.

Daneben gibt es eine Menge psychosozialer Faktoren in der Familie, die – manchmal auch nur vorübergehend – zu AD(H)S ähnlichen Symptomen führen, z.B.:

  • Konflikte in der Familie
  • Geschwisterrivalität
  • eigene Belastungen oder Überforderung der Eltern
  • ungünstiger oder unterschiedlicher Erziehungsstil der Elternteile
  • fehlende Vorbildfunktion der Eltern
  • mangelnde Emotionalität oder Aufmerksamkeit seitens der Eltern

Manchmal passt das Temperament des Kindes nicht zu den anderen Familienmitgliedern, daher fällt es aus dem Rahmen. Oder das Kind steht unter Leistungsdruck. Auch Mobbing muss in Betracht gezogen werden. Vielleicht ist das Kind aber auch hochbegabt und daher wissbegierig und anstrengend.

In allen diesen Fällen ist eine Therapie angebracht, die die ganze Familie mit einbezieht. Natürlich sind die Eltern und Geschwister sich ihres eventuell ungünstig wirkenden Verhaltens in keiner Weise bewusst. Meistens genügen ganz kleine Verhaltensänderungen einzelner Familienmitglieder und ein konsequenter Erziehungsstil, um das System Familie wieder in Harmonie zu bringen. Dadurch können die Symptome des Kindes auf ein adäquates Maß reduziert werden.

Welche Therapie für das Kind?

Leider gibt es bei den von der Krankenkasse zugelassenen Therapeuten Monate lange Wartezeiten für einen Ersttermin. Bis zur endgültigen Diagnose muss das Kind zahlreiche Tests durchlaufen, die sich über Monate hinziehen. Die Situation in der Familie kann sich in dieser Zeit deutlich zuspitzen.

Es ist daher empfehlenswert, so schnell wie möglich einen ganzheitlich und lösungsorientiert arbeitenden privaten AD(H)S-Berater, Trainer oder (Lern-)Coach aufzusuchen. Er oder sie kann schon nach wenigen Sitzungen erkennen, in welchen Bereichen die Probleme des Kindes liegen und welche zusätzliche Förderung oder Behandlung – falls nötig – helfen könnte. Neben der Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbststeuerung hilft der Coach dem Kind, hinderliche Glaubenssätze und Blockaden abzubauen und neue Lernstrategien zu erlernen, um ihm alternative Handlungsmöglichkeiten in der Schule und anderen sozialen Situationen zu eröffnen. Im Eltern-Coaching erhalten die Bezugspersonen Tipps für den Umgang und das geeignete Lernen mit ihrem Kind und ggf. Beratung bei eigenen Problemen.

Bei mir erhalten Sie solch eine Art von Coaching. Bitte bedenken Sie, dass nicht nur das Kind „repariert“ werden kann, sondern die ganze Familie mit einbezogen werden muss, um Verbesserungen zu erreichen. Durch Verständnis und eigene Einstellungs- und Verhaltensänderungen können Eltern und Geschwister viel dazu beitragen, dass sich das Kind angenommen fühlt und sich so die Situation harmonisiert. Insbesondere bei emotionalen Ursachen kann ich eine Menge bewirken, sowie beim Lernen unterstützen.

Sie können gerne ein preisgünstiges Kennenlerngespräch vereinbaren. Einen Versuch ist es wert.

Bitte rechnen Sie in solchen Fällen mit einer längerfristigen Zusammenarbeit, denn Wunder dauern etwas länger…

Ihre Henriette Kern-Schuh